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Peter S., Teil 2: Warten zwischen Diagnose & Prostata-OP

Die Zeit zwischen der Erkenntnis, dass ich Krebs hatte und dem Prostata-OP-Termin kam mir unendlich vor. Ich schwebte zwischen "der Hoffnung, dass die Krankheit wie ein Schnupfen von alleine weg geht" und der bitteren Wahrheit, dass die Prostata raus muss!

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Prostataoperation – Hoffnungen, Recherchen und Ängste

In mei­nem vor­he­ri­gen Bei­trag Dia­gno­se: Pro­sta­ta­krebs gab ich Ihnen einen Ein­blick, sie mei­ne Krebs­er­kran­kung dia­gnos­ti­ziert wur­de. In die­sem Arti­kel beschrei­be ich Ihnen mei­ne Erleb­nis­se in der Zeit zwi­schen Dia­gno­se-Stel­lung und Operation…

Für die meis­ten Män­ner kommt die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs wahr­schein­lich als ein Schock. In mei­nem Fall war es dage­gen eher eine Erlö­sung, weil ich bis dahin schon mehr als 1 Jahr in Unge­wiss­heit lebte.

Nach 2 Stanz­bi­op­sien und zwei Com­pu­ter­to­mo­gra­fie – Scans wuss­te ich end­lich, wor­an ich war! Nor­ma­ler­wei­se teilt einem der behan­deln­de Uro­lo­ge die Dia­gno­se mit. Bei mir kam der Befund per Post: Ich habe ein Prostatakarzinom!

Ende Juli 2018 hat­te ich einen Ter­min für mei­ne zwei­te Stanz­bi­op­sie an der Uni-Kli­nik Erlan­gen gebucht (Übri­gens gera­de nach der Rück­kehr aus mei­nem Urlaub in Lis­sa­bon). Bei die­ser Stanz­bi­op­sie konn­te der Arzt auf dem Bild­schirm mei­ne Pro­sta­ta sehen und die Gewe­be­pro­ben aus Stel­len ent­neh­men, die ihm ver­däch­tig vorkamen.

Zum Zeit­punkt der Pro­ze­dur war mein Uro­lo­ge schon im Urlaub und woll­te erst Anfang Sep­tem­ber zurück­keh­ren. Da das Ergeb­nis bereits nach ca. 1 Woche vor­lie­gen soll­te, bat ich die Kli­nik dar­um, mir eine Kopie des Befunds zu schicken.

Im Jahr 2018 spiel­te das Schick­sal mir wahr­lich böse mit. Nur weni­ge Tage nach der Unter­su­chung in Erlan­gen erlitt ich einen Arbeits­un­fall, bei dem ich mir im lin­ken Knie einen Riss des vor­de­ren Kreuz­ban­des und des Innen­me­nis­kus zuzog.

Dadurch war ich zu Hau­se, als der Brief der Uni-Kli­nik ein­tru­del­te und hat­te viel Zeit. Obwohl das Schrei­ben im übli­chen Fach­chi­ne­sisch der Ärz­te ver­fasst war, ver­stand ich genug um zu wis­sen, dass ich Pro­sta­ta­krebs hatte.

Warten und Selbststudium im Internet

Was soll­te ich tun, an wen soll­te ich mich wen­den? Mei­ne Frau inter­es­sier­te sich kein biss­chen für mich. Mei­ne Schwes­ter ist Ende 70 und hat selbst Leuk­ämie und mein bes­ter Freund ist ein Hypo­chon­der, der gie­rig die Krank­heits­ge­schich­ten ande­rer Leu­te auf­saugt wie ein tro­cke­ner Schwamm das Was­ser. Nur mei­ne Freun­din zeig­te Ver­ständ­nis und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen, obwohl sie selbst wahr­lich genug Pro­ble­me hatte.

Ehr­lich gesagt war das Inter­net nicht nur eine Infor­ma­ti­ons­quel­le für mich, son­dern spen­de­te mir Trost. Dort erfuhr ich, dass Pro­sta­ta­krebs in den meis­ten Fäl­len voll­stän­dig ent­fernt wer­den kann, jeden­falls so lan­ge sich noch kei­ne Meta­sta­sen gebil­det haben.

Das gab mir Mut und Hoff­nung. Gleich­zei­tig wur­de mir aber auch klar, dass ich etwas gegen den Krebs tun muss­te. Ich infor­mier­te mich, wo und wie eine Pro­sta­ta-OP durch­ge­führt wird.

In der ers­ten Zeit schreck­te ich vor dem Gedan­ken an eine voll­stän­di­ge Ent­fer­nung der Pro­sta­ta, eine soge­nann­te radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie zurück. Mir gefie­len die Fol­ge­er­schei­nun­gen gar nicht: Inkon­ti­nenz und Impo­tenz. Ich war schon immer ein lebens­lus­ti­ger Mann und genoss den Sex mit mei­ner Freun­din, einer attrak­ti­ven Lati­na, sehr. Dar­auf soll­te ich in Zukunft ver­zich­ten? Undenkbar!

Alternative Behandlungsmethoden bei Prostatakrebs?

Dar­um recher­chier­te ich im Netz nach alter­na­ti­ven Metho­den zur Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs. Es gab sogar eine gan­ze Men­ge Ange­bo­te und ich mach­te mir Noti­zen für mein Gespräch mit dem Uro­lo­gen. Bis dahin waren es ja noch eini­ge Wochen. Zu die­sem Zeit­punkt ahn­te ich noch nicht, dass ich mir selbst etwas vorgaukelte.

In die­ser Zeit fand ich gro­ßen see­li­schen Halt bei mei­ner Freun­din. Sie unter­stütz­te mich und mach­te mir Mut. Bedingt durch ihren Job kann­te sie Män­ner, die trotz Pro­sta­ta­ope­ra­ti­on fit und leis­tungs­fä­hig waren und ein gutes Sex­le­ben führ­ten. In der Zeit bis zur Ope­ra­ti­on tra­fen wir uns so oft wie mög­lich und genos­sen jede Minu­te unse­res Zusam­men­seins. Das letz­te Mal war übri­gens am Tag, bevor ich zur Ope­ra­ti­on ins Kran­ken­haus musste.

Auf dem Boden der Tatsachen: Eine Prostata-OP muss sein!

Mein Uro­lo­ge kam erholt und braun gebrannt aus dem Urlaub zurück und hat­te nichts Eili­ge­res zu tun als mei­ne Illu­sio­nen in Bezug auf alter­na­ti­ve Behand­lungs­me­tho­den bei Pro­sta­ta­krebs zu zerstören.

Er sag­te mir, dass die­se Ver­fah­ren zwar scho­nen­der sei­en als eine klas­si­sche Ope­ra­ti­on oder Bestrah­lung, dafür bestün­de aber auch die Gefahr, dass nicht alle bös­ar­ti­gen Zel­len ent­fernt wer­den könn­ten und der Krebs eines Tages wie­der auf­tre­ten könne.

Zudem gab er mir zu beden­ken, dass kei­ne Kran­ken­kas­se die Kos­ten für die­se uner­prob­ten Ver­fah­ren über­neh­men wür­de. Er mach­te mich dar­auf auf­merk­sam, dass so eine Behand­lung in der Regel weit mehr als 20.000 Euro kos­ten wür­de. Prak­tisch hat­te ich nur die Wahl zwi­schen Bestrah­lung oder Operation.

Mein Entschluss: Eine roboterassistierte Prostata Operation

Letzt­end­lich ent­schied ich mich dann für eine Ope­ra­ti­on. Mein Uro­lo­ge sag­te, dass bei einer Bestrah­lung immer auch das umlie­gen­de Gewe­be geschä­digt würde.

Soll­te nach der Bestrah­lung der Krebs noch ein­mal auf­tre­ten, wären die Ärz­te so gut wie macht­los. Wür­de das­sel­be nach einer Ope­ra­ti­on gesche­hen, kön­ne man immer noch zur Bestrah­lung grei­fen, um ein Auf­flam­men des Kreb­ses zu bekämp­fen. Nach gründ­li­cher Recher­che im Inter­net ent­schied ich mich für eine robo­ter­as­sis­tier­te Ope­ra­ti­on.

Dabei benutzt der Chir­urg einen Robo­ter, der die Bewe­gun­gen sei­ner Hän­de prä­zi­se und ohne zit­tern auf das Ope­ra­ti­ons­feld über­trägt. Anstel­le eines gro­ßen Schnitts quer über den Unter­bauch benö­tigt die­se Ope­ra­ti­on nur 4 – 5 klei­ne Schnit­te. Das hat zur Fol­ge, dass die Hei­lung schnel­ler ver­läuft und die Neben­ef­fek­te gerin­ger sind. Des­we­gen wird die­se Metho­de auch Schlüs­sel­loch-Chir­ur­gie genannt.

Ins­ge­samt war die War­te­zeit auf mei­ne Ope­ra­ti­on wenig belas­tend, weil ich (lei­der) genug Ablen­kung durch mein kaput­tes Knie hatte.

Zur Vor­be­rei­tung der Ope­ra­ti­on muss­te ich noch eine Szin­ti­gra­fie über mich erge­hen las­sen. Dabei wird der Kör­per mit radio­ak­ti­ven Strah­len “durch­leuch­tet” und es wird kon­trol­liert, ob sich nicht krank­haf­te Ver­än­de­run­gen im Ske­lett oder Meta­sta­sen gebil­det haben. Mei­ne Ope­ra­ti­on leg­te ich auf Mit­te Dezem­ber fest, weil ich dann sicher bis Weih­nach­ten wie­der daheim sein würde.

Lesen Sie hier wei­ter: Ablauf mei­ner Pro­sta­ta Operation

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