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Peter S., Teil 26: Mein Leben mit Harninkontinenz – Ein Rückblick

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Meine Erfahrungen im Alltag als Betroffener

Seit mei­ner Pro­sta­ta­ope­ra­ti­on im Dezem­ber 2018 lei­de ich an Harn­in­kon­ti­nenz. Mein Leben hat sich dadurch sehr ver­än­dert, sowohl posi­tiv als auch negativ.

Als bei mir im Jahr 2018 Pro­sta­ta­krebs dia­gnos­ti­ziert wur­de, ahn­te ich noch nicht, dass sich dadurch mein Leben total ver­än­dern wür­de. Aus­ge­hend von mei­nen jet­zi­gen Erfah­run­gen muss ich jedoch sagen, dass die­se Ver­än­de­run­gen zum über­wie­gen­den Teil posi­tiv waren. 

Das Bes­te, das mir in dem Zusam­men­hang pas­sie­ren konn­te, war der Umstand, dass mein Pro­sta­ta­krebs über­haupt erkannt wur­de. Das mit mir etwas nicht stimmt, kam nur im Zusam­men­hang mit Unter­su­chun­gen wegen einer Bla­sen­ent­zün­dung ans Licht. Pro­sta­ta­krebs ist heim­tü­ckisch, weil er lang­sam wächst und lan­ge kei­ne oder nur schwa­che Sym­pto­me zeigt. Dadurch wird er oft zu spät erkannt.

Von der Prostatektomie zur Strahlentherapie

Nach­dem Krebs dia­gnos­ti­ziert wur­de, emp­fahl mir mein Uro­lo­ge, die Pro­sta­ta kom­plett ent­fer­nen zu las­sen (radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie). Er erklär­te mir, dass die­se Metho­de sehr erfolg­reich sei und damit das gesam­te Krebs­ge­we­be ent­fernt wer­den kön­ne. Er hat­te Recht. Bis heu­te, etwa 2,5 Jah­re spä­ter, ist der Krebs nicht wie­der zurückgekommen.

Aller­dings muss ich den guten Dok­tor auch kri­ti­sie­ren. Er ver­harm­los­te die Fol­gen der Pro­sta­tek­to­mie, indem er die OP als einen eher klei­nen Ein­griff dar­stell­te. Man wür­de eine leich­te Bla­sen­schwä­che ent­wi­ckeln und unge­fähr 3 – 4 Mona­te arbeits­un­fä­hig sein. Als ich am Tag vor der Ope­ra­ti­on Fei­er­abend mach­te, wuss­te ich noch nicht, dass ich den letz­ten Tag mei­nes Lebens auf Arbeit ver­bracht hatte.

Von wegen leich­te Bla­sen­schwä­che! Ich lief aus wie ein undich­tes Fass! Lan­ge Zeit nach der OP muss­te ich Inkon­ti­nenz­pants tra­gen, anfangs 7 Stück am Tag, lang­sam dann jedoch weni­ger. Mei­ne bes­te Erfah­rung in die­ser Zeit war mei­ne ers­te Reha. Sie half mir viel und trug zur Ver­bes­se­rung mei­nes Gesund­heits­zu­stands bei. Min­des­tens eben­so gut wie die The­ra­pien waren die Gesprä­che mit ande­ren Pati­en­ten, die ich wäh­rend die­ser Zeit hat­te. Der Reha habe ich es zu ver­dan­ken, dass sich mein Gesund­heits­zu­stand verbesserte.

Da bei der OP nicht das gesam­te Krebs­ge­we­be ent­fernt wer­den konn­te, muss­te ich im Mai 2019 zur Bestrah­lung. Die The­ra­pie umfass­te 33 Sit­zun­gen und wur­de ambu­lant durch­ge­führt. Beson­ders qual­voll war für mich, dass beim Bestrah­len die Bla­se voll sein muss­te, um Strah­len­schä­den zu ver­mei­den. Das ging bei mir nur mit einer Penisklemme. 

Am Anfang fand ich die Strah­len­the­ra­pie nicht wei­ter schlimm. Schnell merk­te ich jedoch, dass sich unan­ge­neh­me Effek­te um so stär­ker zeig­ten, je län­ger die Behand­lung dau­er­te. Ich hat­te Durch­fall und fühl­te mich wie bei einer Bla­sen­ent­zün­dung. Beim Uri­nie­ren brann­te es. Alle paar Minu­ten muss­te ich auf die Toi­let­te. Selbst nachts hielt ich es nicht län­ger als eine Stun­de aus. Aus die­sem Grund bean­trag­te ich eine zwei­te Reha, die auch geneh­migt wurde.

Nach der Strahlentherapie bis heute

Als Spät­fol­ge der The­ra­pien ent­wi­ckel­te ich eine Phi­mo­se (Ver­en­gung der Vor­haut). Weil die Haut im Intim­be­reich durch die Harn-Inkon­ti­nenz stän­dig warm und feucht war, litt ich zudem sehr unter Haut­pil­zen. Zeit­wei­se juck­te es uner­träg­lich. Auf mei­nen eige­nen Wunsch ließ ich mich daher im August 2019 beschneiden. 

Es war eine gute Ent­schei­dung, weil sich das Pro­blem seit­dem gebes­sert hat. Die Intim­pfle­ge fällt leich­ter und Haut­pil­ze sind kein The­ma mehr. Auch mei­ne Harn­in­kon­ti­nenz bes­sert sich, jedoch nur lang­sam. Es war eine gro­ße Erleich­te­rung für mich, als ich von Pants zu Vor­la­gen wech­seln konn­te. Pants sind zwar prak­tisch, las­sen aber kaum Luft an den Intimbereich. 

In den feucht-war­men Bedin­gun­gen füh­len sich Haut­pil­ze sehr wohl. Vor­la­gen sind da bes­ser, weil sie mehr Luft an die Haut las­sen. Vor unge­fähr einem Jahr hat­te ich wie­der einen Grund zum Fei­ern. Ich konn­te von Vor­la­gen zu Ein­la­gen wech­seln! Das bedeu­te­te mir viel. Die Ein­la­gen kann man mit ganz nor­ma­ler Unter­wä­sche tra­gen, wäh­rend Pants und Vor­la­gen wie Win­deln aus­se­hen. Ein erwach­se­ner Mann mit Win­deln! Das krat­ze sehr an mei­nem Ego. Momen­tan benut­ze ich unge­fähr 3 Ein­la­gen in 24 Stun­den und hof­fe, die Zahl noch wei­ter zu reduzieren.

Fazit: Erwartungen und die Realität

Mei­ne Krebs­er­kran­kung hat sowohl posi­ti­ve als auch nega­ti­ve Aspek­te. Posi­tiv ist, dass ich jetzt gesün­der lebe als vor­her. Ich trin­ke kei­nen Alko­hol mehr, ernäh­re mich gesund und habe unge­fähr 20 kg abge­nom­men. Mein Leben läuft ruhig und gere­gelt ab. Ich arbei­te im Homeoffice.

Nega­tiv schlägt zu Buche, dass die Harn­in­kon­ti­nenz noch immer andau­ert. Die Ärz­te sag­ten mir sei­ner­zeit, dass sie nach spä­tes­tens einem Jahr vor­bei sein wür­de. Beim Lau­fen oder Tra­gen schwe­rer Sachen ver­lie­re ich aber noch heu­te Urin. Von mei­nem Uro­lo­gen und dem Kran­ken­haus bekam ich so gut wie kei­ne Unterstützung. 

Eine ech­te Hil­fe war dage­gen die Reha und die Tipps, die ich von Mit­pa­ti­en­ten dort erhielt, sowie die Com­mu­ni­ty in den Netz­wer­ken und Rat­ge­ber im Inter­net. Alles in allem habe ich mein Leben in den Griff bekom­men. Aus der gan­zen Geschich­te habe ich gelernt, dass man sich nicht ent­mu­ti­gen las­sen darf und viel Geduld braucht. In jeder Kri­se ste­cken auch Chancen!

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