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Peter S., Teil 17: Hautschäden durch Inkontinenz

In meinen 16 vorherigen Kolumne-Beiträgen beschrieb ich Ihnen den Werdegang meiner Harninkontinenz seit dem Feststellen von Prostatakrebs. In diesem Beitrag informiere ich Sie über eine weitere, unschöne Begleiterscheinung, auf die Ärzte selten aufklären: Hautausschlag, Rötung und Juckreiz.

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Hautschäden bei Inkontinenz und was dagegen hilft

Eine Harninkontinenz ist an sich schon schlimm genug. Man fühlt sich hilflos, weil man nicht einmal mehr die eigene Blase unter Kontrolle hat. Dazu kommt noch das Schamgefühl wegen der unangenehmen Gerüche und der Unsauberkeit. Betroffene fürchten zumeist, auf einmal irgendwo unterwegs mit nassen Hosen in der Gegend herum zu laufen.

An ein anderes Problem denken die wenigsten: Hautschäden oder Hautkrankheiten.

Was haben Hautschäden mit Inkontinenz zu tun?

Wenn die Inkontinenz über längere Zeit anhält, ist es beinahe unvermeidlich, dass sich Hautprobleme einstellen. Das liegt meistens daran, dass moderne aufsaugende Inkontinenz-Hilfsmittel sehr effektiv arbeiten.

Wie es der Name bereits sagt, saugen sie austretenden Urin auf und halten ihn fest. Eine Schicht aus speziellen Material verhindert, dass Feuchtigkeit nach außen dringt. Das ist von den Herstellern gewollt und die Patienten empfinden es als angenehm. Dank der Einweg-Pants können sie trotz ihrer Harninkontinenz ein einigermaßen normales Leben führen und sich sicher in der Öffentlichkeit bewegen.

Allerdings entsteht bei Tragen der Pants ein unbeabsichtigter Nebeneffekt. Im Raum zwischen den Pants und der Haut bildet sich ein feuchtwarmes Milieu aus. Jeder Mediziner weiß, dass derartige Bedingungen ideal für das Wachstum von Bakterien und Pilzen sind. Dazu kommt, dass es sich bei der Feuchtigkeit nicht um Schweiß, sondern Urin handelt, der ständig in kleinen Mengen aus der Einlage der Pants austritt.

Während er bei kurzzeitiger Einwirkung keine negativen Effekte zeigt, ist Urin bei längerer Einwirkung auf die Haut schädlich. Das liegt daran, dass die Haut von Natur aus einen leicht sauren pH-Wert hat. Dieser natürliche ‚Schutzmantel verhindert das Wachstum von Keimen. Urin ist aber häufig leicht basisch. Wenn er über längere Zeit auf die Haut einwirkt, zerstört er deren natürlichen Schutz gegen Bakterien und Pilze und macht sie angreifbarer.

Der Effekt wird bei älteren Menschen noch verstärkt, weil deren Abwehrkräfte im Laufe der Zeit nachlassen. Noch schlimmer ist es bei bettlägerigen oder gehbehinderten Menschen, die sich wenig oder gar nicht bewegen.

Welche Erkrankungen können durch Inkontinenzartikel auftreten?

In der feuchtwarmen Atmosphäre finden Keime, besonders Pilze, ideale Bedingungen zur Vermehrung vor. Das trifft besonders dann zu, wenn die Pants oder Windeln zu selten gewechselt werden und die Betroffenen stundenlang unter diesen Bedingungen ausharren müssen.

Das ist oft in Pflegeheimen der Fall. Unter solchen Bedingungen finden insbesondere Hautpilze (Hefepilze) ideale Bedingungen vor. Sie können sich explosionsartig vermehren und verursachen juckende, gerötete Stellen auf der Haut, die durch Kratzen aufplatzen können.

Bakterielle Erkrankungen, beispielsweise durch Staphylokokken, bilden Ekzeme auf der Haut. Sie kommen aber viel seltener vor.

Was kann man gegen Hautschäden tun?

Sie sollten Ihren Urologen darüber informieren. Eventuell können Sie sich auch an einen Hautarzt wenden. Der wird Ihnen im Regelfall Salben verschreiben, die entweder Bakterien oder Pilze abtöten. Die Salben müssen Sie regelmäßig anwenden.

Besser als Hautschäden zu kurieren ist jedoch, sie von vornherein zu verhindern. Das ist im Grunde genommen ganz einfach. Waschen Sie mehrmals am Tag Ihren Unterkörper gründlich. Dazu benutzen Sie aber nur einen Lappen mit klaren, lauwarmen Wasser. Vermeiden Sie Seife und andere Reinigungsmittel, Kosmetika mit Parfüm, antiseptische Tücher und ähnliches. Dadurch wird die Haut nur noch mehr gereizt.

Erlauben Sie so oft wie möglich, dass Luft an die Haut gelangen kann. So bald es irgendwie geht, verzichten Sie beispielsweise nachts auf Inkontinenzpants. Bei den meisten Patienten ist die Inkontinenz nachts weniger stark als am Tag. Notfalls können Sie ja einen alten Baumwollslip anziehen. Der Stoff ist atmungsaktiv und gibt Ihrer Haut Zeit, sich zu erholen.

Die Mehrheit der Patienten findet Inkontinenzpants sehr praktisch. Sie sitzen bequem, verrutschen nicht und halten dicht. Gerade das begünstigt aber Hautschäden. Wenn es möglich ist, sollten Sie deshalb die Inkontinenzpants gegen Inkontinenzvorlagen eintauschen. Die bieten einen beinahe ebenso guten Schutz wie die Pants, lassen aber Luft wesentlich besser an den Körper gelangen.

Damit die Vorlagen richtig sitzen und beim Bewegen nicht verrutschen, müssen sie jedoch zusammen mit so genannten Fixierhosen getragen werden. Das sind kurze Hosen ähnlich wie Strumpfhosen. Wenn Sie durch Ihre Krankenkasse Vorlagen beziehen, werden Fixierhosen immer gleich mitgeliefert.

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