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Welche Inkontinenzformen gibt es?

Ärzte unterschiedliche die Harninkontinenz je nach Art, Ausmaß und Entstehung in vier Inkontinenzarten: Die Belastungs-, Drang-, Reflex- und Überlaufinkontinenz. Erfahren Sie auf dieser Ratgeber- Seite, was es mit diesen Fachbegriffen auf sich hat.

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Inkontinenz hat verschiedene Ursachen

Menschen mit einer Harn­in­kon­ti­nenz kön­nen ihren Urin nicht mehr kon­trol­liert zurück­hal­ten. Umgangs­sprach­lich ist fälsch­li­cher­wei­se oft auch von “Bla­sen­schwä­che” die Rede. Die Bla­se ist aller­dings nicht in jedem Fall die Ursa­che, oft liegt eine ande­re Erkran­kung zugrunde.

Bei einer Harn­in­kon­ti­nenz funk­tio­niert das spe­zi­ell auf­ein­an­der abge­stimm­te Sys­tem, bestehend aus Bla­sen­mus­kel, Schließ­mus­kel und Becken­bo­den­mus­ku­la­tur, sowie den steu­ern­den Ner­ven und Zen­tren im Gehirn und Rücken­mark nicht rich­tig. Die­se Stö­rung kann durch eine Ver­let­zung oder Erkran­kung des Ner­ven­sys­tems bedingt sein oder orga­ni­sche Ursa­chen haben.

Die Harn­in­kon­ti­nenz ist somit kei­ne Krank­heit, son­dern ein Sym­ptom, wel­ches ver­schie­de­ne Ursa­chen haben kann.

Je nach Ursa­che, wer­den vier Inkon­ti­nenz­for­men unter­schie­den: Belas­tungs­in­kon­ti­nenz, Dran­gin­kon­ti­nenz, Reflex­in­kon­ti­nenz und Überlaufinkontinenz.

Arten der Inkontinenz und deren Therapiemöglichkeiten

1. Belastungsinkontinenz (ehem. Stressinkontinenz)

Die­se Art der Inkon­ti­nenz wird auch als Stres­sin­kon­ti­nenz bezeich­net. Der Aus­lö­ser für den unkon­trol­lier­ten Harn­ver­lust ist aller­dings nicht psy­chi­scher Stress, son­dern eine star­ke, kör­per­li­che Belas­tung. Durch schwe­res Heben, Hus­ten, Nie­sen oder Lachen erhöht sich der Druck­be­las­tung im Bauch­raum.

Dadurch kommt es zu einem unkon­trol­lier­ten Harn­ver­lust. Bei einer sehr stark aus­ge­präg­ten Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ver­liert der Pati­ent bei jeder klei­nen Bewe­gung Urin. Dabei ver­spürt der Betrof­fe­ne kei­nen Druck in der Bla­se, bevor der Harn unge­wollt ver­lo­ren geht.

Ver­schie­de­ne Risi­ko­fak­to­ren begüns­ti­gen das Auf­tre­ten einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz. Zu die­sen Fak­to­ren gehö­ren unter anderem:

  • höhe­res Lebensalter
  • chro­ni­scher Husten
  • Über­ge­wicht
  • stän­di­ge schwe­re kör­per­li­che Belastung.
  • zu wenig Bewe­gung wie­der­um ver­ur­sacht einen schlecht trai­nier­ten Becken­bo­den und trägt eben­so zu einem erhöh­ten Risi­ko bei.

Die­se Form der Harn­in­kon­ti­nenz lässt sich sehr gut durch Becken­bo­den­trai­ning behan­deln. Die Stär­kung der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur redu­ziert die Sym­pto­me effek­tiv und kann die Inkon­ti­nenz sogar lang­fris­tig besei­ti­gen. Um die­se Becken­bo­den-Übun­gen sicher und unbe­schwert aus­füh­ren zu kön­nen, hel­fen Inkon­ti­nenz­ein­la­gen oder Erwachsenenwindeln.

2. Dranginkontinenz

Bei einer Dran­gin­kon­ti­nenz tritt der Harn­drang sehr plötz­lich auf, obwohl die Bla­se noch nicht voll ist. Die Betrof­fe­nen schaf­fen es oft nicht mehr recht­zei­tig, eine Toi­let­te aufzusuchen.
Ver­ant­wort­lich dafür ist eine Stö­rung in der Signal­über­tra­gung zwi­schen Bla­se und Gehirn oder Rücken­mark. Das Signal “die Bla­se ist voll” wird fälsch­li­cher­wei­se zu früh abge­ge­ben. Somit ent­steht oft mehr­mals pro Stun­de ein star­ker Harn­drang, obwohl die Bla­se noch nicht voll­stän­dig gefüllt ist.

Die Ursa­chen für das Auf­tre­ten die­ser Form der Harn­in­kon­ti­nenz sind sehr viel­fäl­tig. Ope­ra­tio­nen kön­nen bei­spiels­wei­se Ner­ven­schä­den und Ner­ven­rei­zun­gen aus­lö­sen. Auch neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen, wie Mul­ti­ple Skle­ro­se, Par­kin­son oder Alz­hei­mer, sowie ein Hirn­tu­mor oder ein Schlag­an­fall kön­nen mög­li­che Ursa­chen sein.

Außer­dem wird eine Dran­gin­kon­ti­nenz durch stän­di­ge Rei­zun­gen der Bla­se begüns­tigt. Die­se ent­ste­hen bei­spiels­wei­se durch Bla­sen­stei­ne oder Harn­wegs­in­fek­te. Ein wei­te­rer Risi­ko­fak­tor ist ein unzu­rei­chend behan­del­ter Dia­be­tes, denn die Gift­stof­fe, wel­che durch den erhöh­ten Blut­zu­cker­spie­gel ent­ste­hen, kön­nen das Ner­ven­sys­tem schädigen.

Die The­ra­pie erfolgt in der Regel in Form eines soge­nann­ten Stu­fen­plans. Dabei wird immer dann, wenn eine The­ra­pie­stu­fe nicht zur erwünsch­ten Wir­kung führt, zur nächs­ten Stu­fe übergegangen.

  • Die ers­te Behand­lungs­maß­nah­me ist ein Ver­hal­tens­trai­ning. Der Pati­ent führt dazu ein Mikti­ons­ta­ge­buch, in dem er sei­ne Toi­let­ten­gän­ge pro­to­kol­liert. Becken­bo­den­übun­gen und Bio­feed­back­trai­ning, sowie eine Elek­tro­sti­mu­la­ti­ons­be­hand­lung füh­ren oft zur erfolg­rei­chen Bekämp­fung der Symptome.
  • In der zwei­ten Stu­fe wird medi­ka­men­tös behan­delt. Eine Viel­zahl an Medi­ka­men­te zur Min­de­rung der Bla­sen­über­ak­ti­vi­tät wer­den in Tablet­ten­form oder als Pflas­ter ver­ab­reicht. Dabei ist eine dau­er­haf­te Ein­nah­me not­wen­dig, denn nach Abset­zen der Medi­ka­men­te keh­ren die Sym­pto­me zurück.

3. Reflexinkontinenz

Dies ist die sel­tens­te Form der vier Inkontinenzarten.
Pati­en­ten mit einer Reflex­in­kon­ti­nenz spü­ren nicht mehr, wann ihre Bla­se voll ist. Sie kön­nen dadurch die Ent­lee­rung nicht steu­ern, die Bla­se ent­leert sich reflex­ar­tig in unre­gel­mä­ßi­gen Abständen.
Bei die­ser Form der Harn­in­kon­ti­nenz ist die Bla­sen-Schließ­mus­kel-Koor­di­na­ti­on gestört. Die Ursa­che dafür sind oft neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen wie Par­kin­son, Mul­ti­ple Skle­ro­se, Alz­hei­mer oder ande­re Demenzerkrankungen.
Ein wei­te­rer Aus­lö­ser kann eine Schä­di­gung des Rücken­marks, bei­spiels­wei­se bei einer Quer­schnitts­läh­mung, sein.

Zur Bekämp­fung der Sym­pto­me legen sich die Pati­en­ten im Abstand von drei bis vier Stun­den einen Ein­mal­ka­the­ter, wel­chen sie nach dem Was­ser­las­sen wie­der ent­fer­nen. Die­se Behand­lungs­me­tho­de ist auch unter dem Begriff “inter­mit­tie­ren­de Kathe­te­ri­sie­rung” bekannt. Falls die­se Maß­nah­me nicht mög­lich ist, ist eine Dau­er­ka­the­ti­sie­rung, bei­spiels­wei­se über einen Bauch­de­cken­ka­the­ter, not­wen­dig.

4. Überlaufinkontinenz

Dies ist die häu­figs­te Inkon­ti­nenz­form bei Män­nern ab 50 Jahren.
Der Uri­n­ab­lauf am Bla­sen­aus­gang ist beim Uri­nie­ren behin­dert. Die vol­le Harn­bla­se läuft über – Dabei flie­ßen stän­dig gerin­ge Men­gen Urin ab. Zudem ver­spü­ren vie­le Betrof­fe­ne einen per­ma­nen­ten Harndrang.

Der Grund dafür ist zum Bei­spiel eine Harn­röh­ren­ver­en­gung oder eine gut­ar­tig ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta (Vor­ste­her­drü­se). Eine Über­laufin­kon­ti­nenz ver­ur­sacht oft star­ke Schmerzen.

Die­se Inkon­ti­nenz­form wird auch auch als Tröp­fe­lin­kon­ti­nenz, post­mik­tio­nel­les Tröp­feln, Tröpf­chen­in­kon­ti­nenz, Tröp­feln, Träu­feln oder Nach­tröp­feln bezeichnet.

Zur Behand­lung wer­den in den meis­ten Fäl­len mus­kel­ent­span­nen­de Medi­ka­men­te ver­ab­reicht. Füh­ren die­se nicht zum gewünsch­ten Erfolg, wird in einem chir­ur­gi­schen Ein­griff ein Bauch­de­cken­ka­the­ter gelegt.

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