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Peter, 61 Teil 6: Die ersten Tage in der Reha-Klinik

Um die psychische Tortur der Krebsdiagnose, die Folgen der Operation und den Inkontinenz- Schock schnellstmöglich zu verarbeiten, bietet die Deutsche Rentenversicherung eine kostenlose Anschlussheilbehandlung an. Ich empfehle wirklich Jedem dieses Angebot einer stationären Reha-Maßnahme anzunehmen. Nachfolgend schildere ich Ihnen meine Erlebnisse.

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Anschlussheilbehandlung nach Prostata-OP

Ich habe in meinen fünf Beiträgen Diagnose Prostatakrebs, Warten auf die Prostata OP, Ablauf der Prostata Operation, Inkontinent nach Prostataoperation und Anmeldung zur Reha Maßnahme meine persönlichen Erlebnisse, Gedanken und Gefühle niedergeschrieben.

In diesem Blog- Artikel berichte ich Ihnen, was ich in den ersten Tagen meiner Reha-Maßnahme erlebt habe. Wenn Sie Fragen, Anmerkungen oder eigene Erfahrungen loswerden möchten, schreiben Sie bitte einen Kommentar.

Anmeldebestätigung für die Sinntalklinik Bad Brückenau

Kurz nach dem Jahreswechsel kam ein dicker Brief der Deutschen Rentenversicherung. Darauf hatte ich schon gewartet. Mein Antrag auf eine Reha war genehmigt worden. Der Brief enthielt eine Menge an Formularen, die ich ausfüllen und an meinen Arbeitgeber, die Krankenversicherung und die Rentenversicherung schicken musste.

Überraschenderweise erhielt ich an einem Montag einen Anruf der Sinntalklinik in Bad Brückenau, die mir mitteilte, dass ich am 23. Januar 2019 meine Reha-Maßnahme antreten solle. Bis dahin waren ja noch fast 2 Wochen Zeit.

Nur ein paar Tage später traf ein Brief der Klinik mit dem Einladungsschreiben ein. Darin stand der 15. Januar 2019 als verbindliches Datum. Eine telefonische Rückfrage ergab, dass letzteres Datum korrekt war. Es blieben mir nur noch ein paar Tage Zeit!

Anreise zur Reha Klinik

Das Kofferpacken verschob ich auf den Tag vor der Abreise. Die Klinik gab dabei Hilfestellung in Form einer Packliste.

In der Nacht vor der Abreise konnte ich nicht besonders gut schlafen. Zum einen musste ich bereits 6 Uhr früh losfahren (die Anreise sollte bis spätestens 11 Uhr erfolgen), zum anderen konnte ich die Klinik nur durch viermaliges Umsteigen erreichen. Und das mitten im Winter und bei den Storys, die man immer über die Deutsche Bahn hört!

Zum Glück waren meine Befürchtungen unbegründet und ich erreichte alle Anschlüsse. Die letzte Etappe von Bad Kissingen nach Bad Brückenau fuhr ich mit dem Bus, der praktisch direkt vor der Klinik hielt.

Dort traf ich am Empfang eine Gruppe von Menschen, alles Patienten, die wie ich gerade ihre Reha antraten. Am Empfang wartete ich, bis ich an die Reihe kam und mir der Zimmerschlüssel überreicht wurde.

Noch bevor ich mein Zimmer beziehen konnte, wurde ich aufgefordert, mich zur Aufnahmeuntersuchung beim Arzt einzufinden. Die Ärztin sprach ausführlich mit mir, maß Blutdruck, Größe und Gewicht und händigte mir den Therapieplan aus. Schon war die Prozedur beendet und ich begab mich zurück zum Empfang, um mein Gepäck zu nehmen und endlich mein Zimmer zu beziehen.

Mein erster Eindruck war durchweg positiv

Die Klinik hinterließ auf mich einen positiven ersten Eindruck. Alles war hell und modern und erinnerte eher an ein Hotel oder ein Verwaltungsgebäude als an eine Klinik. Fast alle Patienten werden in Einzelzimmern untergebracht. Mein Zimmer gefiel mir gut.

Die Ausstattung entsprach in etwa dem Standard eines einfachen Hotelzimmers. Ein Bett mit Nachttisch, ein Schreibtisch mit Wertfach, 2 Stühle, ein TV Gerät und ein großer Kleiderschrank. Dusche, Waschbecken und Toilette befanden sich in einem separaten Raum. Jeder Patient bekam bei der Ankunft seinen eigenen Zimmerschlüssel und einen Schlüssel für das Wertfach sowie den internen persönlichen Briefkasten.

Bei der Ankunft wurde mir der Behandlungsplan für die laufende Woche in die Hand gedrückt. Für heute war ich nirgendwo eingeplant.

Trotzdem erhielt ich einen Schock. Frühstück war um 7:30 Uhr, Mittag 11:30 Uhr und Abendessen bereits 17 Uhr! Auf meine Anfrage wurde mir gesagt, dass der Speisesaal zu klein sei, um alle Patienten (ca. 130) auf einmal aufzunehmen. Deswegen mussten die Mahlzeiten in Schichten eingenommen werden.

Die freie Zeit nutzte ich, um mich mit dem Haus vertraut zu machen. Der Therapieplan für die nächsten Tage war voll gepackt mit Terminen. Die ersten Behandlungen begannen 8:30 Uhr und die letzten nach 16 Uhr.

Ankommen und Wohlfühlen

Schnell merkte ich, dass in der Klinik eine freundliche Atmosphäre herrschte. Nicht nur das medizinische Personal, sondern auch Reinigungskräfte, Handwerker und das Küchenpersonal waren sehr freundlich und hilfsbereit.

Die Therapeuten übten keinerlei Druck auf die Patienten aus. Meine Schwester hatte mir erzählt, dass sie die Teilnahme an jeder Behandlung schriftlich bestätigen musste und ihr mit Sanktionen gedroht wurde, falls sie nicht kam. Nichts dergleichen in der Sinntalklinik! Niemand führte auch nur eine Strichliste.

Die Klinik vertraut darauf, dass die Patienten an den ihnen verordneten Behandlungen teilnehmen, weil sie ja wollen, dass es ihnen besser geht.

Physiotherapie, Fitnesstraining, Schwimmen & Vorträge

Fast alle Behandlungen fanden in der Gruppe statt. Eine Sitzung dauerte in der Regel 30 Minuten. Der Plan war so koordiniert, dass genug Zeit zwischen den Sitzungen blieb, damit man nicht rennen musste. Zur Ausstattung der Klinik gehören eine Gymnastikhalle, Räume mit Geräten für Kraft- und Ausdauertraining, ein Schwimmbad, Sauna und andere therapeutische Einrichtungen.

Welche Geräte ich benutzen durfte, war im Therapieplan genau festgelegt. Neben den ärztlich angeordneten Therapien sollte ich auch einige Geräte im Kraftraum mehrmals pro Woche benutzen, wenn ich die Zeit dafür hatte. Wegen meiner Inkontinenz stand Beckenbodentraining mehrmals pro Woche auf dem Behandlungsplan.

Besonders nützlich fand ich die Vorträge zu medizinischen und rechtlichen Fragen, die regelmäßig gehalten wurden. Man kann sich medizinische Vorträge anhören oder auch Vorträge zu sozialen Themen.

Dabei erfuhr ich zum Beispiel, dass man als Krebspatient mindestens mit einer Schwerbeschädigung von 50 Prozent eingestuft wird. Das Formular für die Beantragung des Schwerbeschädigtenausweises füllte die Klinik aus, sodass ich nur noch unterschreiben musste. Ein toller Service!

Der Klinik-Aufenthalt tut wirklich gut

Nach meiner persönlichen Meinung ist eine Reha nach Prostataoperation sehr sinnvoll.

Zu den Mitpatienten stellte ich schnell ein gutes Verhältnis her. Bei den Mahlzeiten gab es keine feste Sitzordnung. Schon bald saß ich aber mit 3 anderen immer am selben Tisch.

Zum Frühstück und Abendessen gab es ein Buffet mit reichlicher Auswahl, einschließlich Rohkostsalat, frisches Obst, Suppe und Joghurt. Mittags konnte man zwischen einem vegetarischen und einem Fisch- oder Fleischgericht wählen. Abends aß ich einfach ein bisschen mehr und hatte darum keine Probleme, die Zeit bis zum Frühstück zu überstehen.

Alles in allem macht die Reha Klinik einen sehr guten Eindruck auf mich. Ich habe es nicht bereut, dass ich hierher gekommen bin.

Aus medizinischen Gründen wurde mein Aufenthalt um eine Woche verlängert. Zwar hat sich meine Inkontinenz noch nicht wesentlich gebessert, meine OP ist aber auch erst wenige Wochen her. Für die Zukunft bin ich optimistisch.

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