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Peter S., Teil 13: Inkontinenz im Alltag

In zwölf vorherigen Kolumne-Artikeln beschrieb ich, Peter - 61 Jahre alt - wie es zu meiner Harninkontinenz gekommen ist. Ich hoffe, dass ich Betroffenen helfen kann, sich mit den Problemen und Lösungen in Beruf, Alltag und Familie umzugehen. Hier gebe ich einen Rückblick, auf meine letzten 4 Monate.

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Wie wirkt sich die Inkontinenz auf meinen Alltag aus?

In die­sem Erfah­rungs­be­richt möch­te ich Ihnen ein neu­es Kapi­tel mei­nes Wer­de­gan­ges der Harn­in­kon­ti­nenz als Fol­ge einer Pro­sta­ta OP mitteilen.

Wie fast alle gesun­den Men­schen sah ich vor mei­ner Pro­sta­ta­krebs Erkran­kung es als selbst­ver­ständ­lich an, dass ich uri­nie­ren konn­te, wann ich es woll­te. Über das Was­ser­las­sen hat­te ich mir nie Gedan­ken gemacht.

Seit mei­ner Ent­fer­nung der Pro­sta­ta ergab sich eine neue Lebens­si­tua­ti­on, die ich Ihnen nach­fol­gend ger­ne mit­tei­len möchte.

Wie wirkt sich die Inkontinenz auf meinen Alltag aus?

Im Grun­de genom­men wirk­te sich die Harn­in­kon­ti­nenz weni­ger schlimm aus, als erwar­tet. Ich gestat­te dem Lei­den nicht, mir das Leben zu vermiesen.

Ich lei­de an einer typi­schen Belas­tungs­in­kon­ti­nenz. Das bedeu­tet, beim Hus­ten, Nie­sen (auch bei Blä­hun­gen), Trep­pen­stei­gen, Anhe­ben von Las­ten oder auch Auf­ste­hen und Hin­set­zen kommt es zu unkon­trol­lier­ba­ren Abgang von Urin. Die Bla­se ent­leert sich dabei aber nicht voll­stän­dig, son­dern nur zu einem klei­nen Teil.

Das Pro­blem habe ich durch das Tra­gen von auf­sau­gen­den Inkon­ti­nenz Hilfs­mit­teln gut im Griff. Das bedeu­tet aller­dings, dass ich die Pants oder Vor­la­gen bei Tag und Nacht tra­gen muss.
Dies funk­tio­niert in der Regel gut, Dank des Super­ab­sor­bers, der in der­ar­ti­gen Pro­duk­ten den Urin bin­det, indem er ihn in ein Gel umwandelt.

Was ist das schlimmste, was passieren kann?

Der GAU (größ­te anzu­neh­men­de Unfall ) für alle an Harn-Inkon­ti­nenz lei­den­den Pati­en­ten ist das Ein­näs­sen in der Öffent­lich­keit. Wie bereits in der Ein­lei­tung gesagt wur­de, gilt das als Schan­de. Bevor ich inkon­ti­nent wur­de, habe ich auch wie die meis­ten geglaubt, so etwas kön­nen nur im Alko­hol- oder Dro­gen­rausch pas­sie­ren oder höchs­tens alten, an Demenz lei­den­den Män­nern. Jetzt weiß ich es bes­ser, das ich mich trotz mei­nes Lei­dens als nor­mal ansehe.

Mir ist der GAU bereits zwei­mal pas­siert. Beim ers­ten Mal hat­te ich Glück. Es geschah, als ich spa­zie­ren ging. Zwar näss­te ich mich ein, aber ein Regen­schau­er zog auf und da ich ohne Schirm unter­wegs war, wur­de ich ohne­hin nass, sodass es nicht auffiel.

Beim zwei­ten Mal ver­ließ mich das Glück. Ich befand mich gera­de auf dem Weg von mei­ner täg­li­chen Bestrah­lung aus dem Kran­ken­haus nach Hau­se, als sich mei­ne Bla­se spon­tan ent­leer­te, obwohl ich erst ein paar Minu­ten zuvor auf der Toi­let­te gewe­sen war. Viel­leicht hat­te ich auch die Vor­la­ge nicht rich­tig ange­legt, jeden­falls näss­te ich mich vorn gründ­lich ein. Es war ein schö­ner, son­ni­ger Tag mit vie­len Men­schen auf den Stra­ßen. Als Ret­ter in der Not dien­te eine Ein­kaufs­tü­te aus Plas­tik, die ich mir beim Gehen vor den Bauch hielt, sodass man mei­ne nas­sen Hosen nicht sehen konnte.

Glück­li­cher­wei­se mach­te nie­mand dum­me Bemer­kun­gen oder sah mich komisch an. Trotz­dem war ich heil­froh, als ich nach Hau­se kam. Die Hose war übri­gens inzwi­schen schon wie­der trocken.

Was kann man dagegen tun?

Aus dem Vor­fall habe ich gelernt. Wenn ich län­ge­re Zeit unter­wegs sein wer­de, neh­me ich immer eine Ersatz- Inkon­ti­nenz­pants mit, die ich in eine dün­ne Plas­tik­tü­te packe, wie es sie im Super­markt für Obst und Gemü­se gibt.

Sowohl nachts, als auch bei län­ge­rem Auf­ent­hal­ten außer Haus bevor­zu­ge ich Pants gegen­über Vor­la­gen, weil Pants nicht ver­rut­schen. Die Plas­tik­tü­te neh­me ich dann, um die gebrauch­ten Pants ein­zu­pa­cken und dis­kret zu entsorgen.

Zum Wech­seln gehe ich in eine Toi­let­te im Kran­ken­haus. Dort gibt es ja genü­gend. Unter­wegs käme even­tu­ell eine Toi­let­te in einem Restau­rant infra­ge, obwohl man da manch­mal Stress bekommt.

Hat die Harninkontinenz auch positive Auswirkungen?

Anfangs hät­te ich die­se Fra­ge glatt ver­neint. Inzwi­schen muss ich sagen, dass mei­ne Inkon­ti­nenz auch eine posi­ti­ve Sei­te hat.

Durch mei­ne Inkon­ti­nenz bin ich absti­nent gewor­den. Seit mei­ner Pro­sta­ta OP im Dezem­ber 2018 trin­ke ich kei­nen Alko­hol mehr. Mein letz­tes Mal war Sil­ves­ter 2018. Da stieß ich mit mir selbst auf den Jah­res­wech­sel an und trank eine 0,2 l Fla­sche Sekt. Das Ergeb­nis ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. Es lief und lief und lief. Den Jah­res­wech­sel ver­brach­te ich prak­tisch auf der Toilette.

Seit­dem habe ich kei­nen Alko­hol mehr getrun­ken, weil Bier und Wein ja bekannt­lich die Aus­schei­dung von Urin anre­gen. Da Alko­hol vie­le gesund­heit­li­chen Pro­ble­me ver­ur­sacht, lebe ich also jetzt gesün­der als früher.

Zeigen sich noch andere Probleme bei Inkontinenz?

Ja, und dabei han­delt es sich um Din­ge, mit denen ich vor­her nicht gerech­net hat­te und über die mich auch nie­mand infor­mier­te. Rela­tiv schnell stell­te ich fest, dass Inkon­ti­nenz Kos­ten ver­ur­sacht. Mei­ne Kran­ken­kas­se ver­sorgt mich näm­lich nur mit Vor­la­gen ohne Zuzah­lung. Pants sind bes­ser, die muss ich mir aber selbst kau­fen oder zumin­dest eine Zuzah­lung leisten.

Das zwei­te Pro­blem betrifft die Intim­hy­gie­ne. Seit Mona­ten tra­ge ich stän­dig Pants oder Vor­la­gen, die ein feucht­war­mes Milieu schaf­fen, ide­al für Pilz­er­kran­kun­gen. Dazu kommt, dass ich anschei­nend eine Phi­mo­se ent­wi­ckelt habe, eine Ver­en­gung der Vor­haut. Das bedeu­tet, ich kann die Vor­haut nicht mehr oder nur mit Schmer­zen über die Eichel zurückschieben.

Das führt dazu, dass sich dar­un­ter Smeg­ma ansam­melt, dass Pilz­er­kran­kun­gen begüns­tigt. Wenn es zu einer Erek­ti­on kommt, habe ich Schmerzen.

Ich wer­de mei­nen Uro­lo­gen fra­gen, was er davon hält, wenn ich mich aus medi­zi­ni­schen Grün­den beschnei­den las­se. Das wür­de die Pro­ble­me lösen. Aller­dings weiß ich nicht, ob und wie sich der Ein­griff mit mei­ner Strah­len­the­ra­pie ver­ein­ba­ren lässt.

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