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Peter S., Teil 7: Reha Sport & Physiotherapie

Nachdem ich nun schon drei Wochen meiner Reha-Maßnahme in der Sinntalklinik verbrachte, möchte ich ebenfalls von einer Prostatektomie betroffenen Leidensgenossen einen kleinen Einblick in den Alltag einer Reha-Klinik geben. In diesem Teil erzähle ich Euch, wie der Sport und die Physiotherapie in einer stationären Rehabilitationseinrichtung abläuft.

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Rehasport & Physiotherapie nach Prostatektomie

Bei einem Auf­ent­halt in einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung (umgangs­sprach­lich: Reha – Kli­nik) geht es in ers­ter Linie dar­um, die kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der Pati­en­ten so weit wie mög­lich wie­der herzustellen.

Dabei spie­len Sport & Phy­sio­the­ra­pie in Zusam­men­hang mit gesun­der Ernäh­rung eine ent­schei­den­de Rol­le. Bei Bedarf fin­det auch eine psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung statt.

Ich habe bereits in mei­nen vor­he­ri­gen Kolum­ne Bei­trä­gen mei­nen Weg von der Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs, über die Pro­sta­tek­to­mie Ope­ra­ti­on und zuletzt über Die ers­ten Tage in der Reha-Kli­nik mei­ne Erfah­run­gen über mei­nen Krank­heits-Ver­lauf geschrieben.

In die­sem Bei­trag möch­te ich Ihnen erzäh­len, was man beim Reha­bi­li­ta­ti­ons­sport und bei der Phy­sio­the­ra­pie in einer Reha-Kli­nik erlebt. Wenn Sie Fra­gen oder Anmer­kun­gen haben, bzw. eige­ne Erfah­run­gen schil­dern möch­ten, hin­ter­las­sen Sie bit­te einen Kommentar.

Was wird in der Reha Klinik angeboten?

Die Behand­lun­gen hän­gen bei­spiels­wei­se von Art und Zeit­punkt der Ope­ra­ti­on ab und bei jedem Pati­en­ten anders. Bei der Ankunft hat jeder Neu­ling ein Auf­nah­me­ge­spräch mit dem Sta­ti­ons­arzt. Dabei wird der Pati­ent befragt, sei­ne Befun­de stu­diert und die Art der Behand­lung fest­ge­legt. Die meis­ten The­ra­pien fin­den als Grup­pen­ver­an­stal­tun­gen statt. Um etwa 130 Pati­en­ten küm­mern sich ca. 100 Therapeuten.

In mei­nem Fall begann der Auf­ent­halt in der Sinn­tal­kli­nik im bay­ri­schen Bad Brü­cken­au mit einer Ent­täu­schung. Weil ich sehr gern schwim­me, hat­te ich mich schon auf das Hal­len­bad gefreut. Lei­der ver­bot mir der Arzt Schwim­men und alle “nas­sen” Behandlungen.

Nach mei­ner Pro­sta­ta­ope­ra­ti­on lag der Schwer­punkt der Behand­lung auf Becken­bo­den­trai­ning und all­ge­mei­ne Übun­gen zur Kräf­ti­gung, Ent­span­nung und Ver­bes­se­rung der Koor­di­na­ti­on. Der Arzt gab den The­ra­peu­ten vor, wo und wie stark ich kör­per­lich belas­tet wer­den konnte.

Da die Nar­ben am Bauch nach der OP noch Zeit zur Hei­lung brauch­ten, soll­te ich alle Übun­gen ver­mei­den, bei denen die Bauch­mus­keln stark belas­tet wer­den. Die­sen Hin­wei­sen ent­spre­chend erfolg­te am Tag nach der Ankunft die Ein­wei­sung an den geeig­ne­ten Trainingsgeräten.

Wie läuft das Gruppentraining ab?

Wann ich zu wel­chem Trai­ning muss­te, erfuhr ich aus dem aktu­el­len Behand­lungs­plan. Der ers­te wird Neu­lin­gen bei der Ankunft aus­ge­hän­digt. Die fol­gen­den Plä­ne lie­gen immer Frei­tag­nach­mit­tag im Post­fach des Patienten.

Jeder Pati­ent erhält bei der Ankunft einen Stoff­beu­tel und ein wei­ßes Baum­woll­tuch. Der Umhän­ge­beu­tel dient zum Trans­port der Sachen (Tuch, Behand­lungs­plan, Stift, Bril­le usw.), das wei­ße Tuch zu hygie­ni­schen Zwe­cken. Damit wer­den Sit­ze oder Mat­ten abge­deckt, bevor man sich niederlegt.

Vor Beginn jeder Übung müs­sen sich alle Teil­neh­mer die Hän­de des­in­fi­zie­ren. Die The­ra­pien oder Trai­nings­ein­hei­ten dau­ern knapp 30 Minu­ten und fin­den in der Gym­nas­tik­hal­le statt. Für gewöhn­lich bil­den alle einen Kreis, ein­schließ­lich des The­ra­peu­ten. Der Therapeut/die The­ra­peu­tin sagt nicht nur, was zu tun ist, son­dern erklärt auch Sinn und Zweck der Übungen.

Die Atmo­sphä­re war immer locker und ent­spannt. Nicht immer kamen die­sel­ben Leu­te zur Grup­pe, weil oft eini­ge ent­las­sen wur­den und Neu­lin­ge ihre Plät­ze ein­nah­men. Da ich kör­per­lich in einer guten Ver­fas­sung bin, hat­te ich beim Mit­ma­chen kei­ne Schwierigkeiten.

Eine Aus­nah­me bil­de­te die “leich­te Sport­grup­pe”. Der Name ist irre­füh­rend, den die Teil­neh­mer, dar­un­ter auch ich, mach­ten ein­fach in Beglei­tung eines The­ra­peu­ten Wan­de­run­gen in der Umge­bung. Bei jeder Tour wer­den ca. 3 – 4 km zurück­ge­legt. Auf mei­nem Plan stand zwei­mal wöchent­lich die “leich­te Sportgruppe”.

Gibt es auch individuelle Therapien?

Auch das indi­vi­du­el­le The­ra­pien gehö­ren zum Ange­bot. Eini­ge Behand­lun­gen wie Fan­go, Mas­sa­gen, Bäder oder auch mei­ne The­ra­pie mit Inter­fe­renz­strom kön­nen nur indi­vi­du­ell durch­ge­führt wer­den. Auch die Gerä­te für Kraft- und Aus­dau­er­trai­ning las­sen sich nur immer von einer Per­son benutzen.

Von den Pati­en­ten wird erwar­tet, dass sie min­des­tens drei- vier­mal pro Woche ihre Übun­gen absol­vie­ren. Dafür gibt es jedoch kei­nen fes­ten Zeit­punkt, son­dern man schiebt die Übun­gen dann ein, wenn sich die Gele­gen­heit ergibt. Ich ging meis­tens in den Kraft­raum, wenn ich mit dem Sport in der Gym­nas­tik­hal­le fer­tig war. Der Kraft­raum befand sich in der Sinn­tal­kli­nik im Kel­ler der Gymnastikhalle.

Wie ist das mit der gesunden Ernährung?

In Kom­bi­na­ti­on mit Rehasport und Phy­sio­the­ra­pie steht eine gesun­de Ernäh­rung stark im Vordergrund.

Auf dem Spei­se­plan steht stets frisch gekoch­te, gesun­de Kost. Zum Früh­stück gibt es immer meh­re­re Sor­ten Joghurt, Müs­li, Voll­korn- und Wei­zen­bröt­chen, Auf­schnitt und Käse. Das Ange­bot beim Abend­brot umfass­te min­des­tens 8 Sor­ten Voll­korn- und Misch­brot sowie meh­re­re Sor­ten Gemü­se­sa­lat, vom Spar­gel- bis zum Krautsalat.

Zum Mit­tag­essen ent­we­der Fleisch oder Fisch mit Gemü­se und Soße, dazu Nudeln, Kar­tof­feln, Reis oder Klö­ße. Piz­za, Pom­mes oder Fer­tig­ge­rich­te wer­den nicht ange­bo­ten. Wer möch­te, kann nach­mit­tags Kuchen essen und dazu Kaf­fee trin­ken. Das muss aber extra bezahlt werden.

Wäh­rend der gesam­ten Dau­er mei­ner Reha habe ich nicht ein Stück Kuchen oder Scho­ko­la­de geges­sen. Trotz­dem konn­te ich kaum an Gewicht ver­lie­ren, weil das sehr reich­hal­ti­ge Ange­bot immer dazu ver­führ­te, mehr zu essen als ich eigent­lich beabsichtigte.

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